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Ausführliche Analyse des Oerier Ortsnamens

Ausführliche Analyse des Oerier Ortsnamens

Die folgenden Ausführungen sind dem Buch:

U. Ohainski, J. Udolph, Die Ortsnamen des Landkreises und der Stadt Hannover, Bielefeld 1998, S. 348-349

entnommnen. Der auf dieser Seite dargestellte, vom Autor genehmigte Buchauszug, enthält Verweise, für deren Verständnis das o. g. Buch herangezogen muss.

 

Oerie (Pattensen)

 

1033 Oride (MGH DK II Nr. 192 S. 255)

1153-1167 Orethe (Würdtwein, Subsidia VI Nr. 114 S. 341)

um 1230 Hermanni de Orede (Dobbertin, Heinrich Hisse S. 190)

1251 Reinoldus de Orethe (Calenb. UB V Nr. 57 S. 49)

1284 Orethe (Calenb. UB III Nr. 439 S. 276)

1356 Ardhe (UB Hannover, Nachtrag S. 13)

1554 Oerde (Steigerwald, Pattensen S. 131)

1592 Ohrdinge (Calenberger Hausbuch S. 101)

1791 Oehrie (Scharf, Samlungen II S. 172)

 

 

Ortsname

Der Name zeigt im Auslaut einen Wechsel von -ide mit -ethe und späterem -de. Erst spät erscheint das heutige -ie, was wahrscheinlich wie bei ® Lemmie zu erklären ist.

 

Bisherige Entwicklung

Förstemann, Ortsnamen 2 Sp. 443 schreibt zu dem Namen, er enthalte "ndd. (westfäl. u. holstein.) @ r, @ rd, m. die bank des raseneisensteins in sumpf und unter heidboden, wovon ndd. ortsteen. Sächs.-ndl. oer, n. eisenerz; oereg, eisenhaltig. Norweg. urd, steingrund, norw.-dial. @ r, or, schwed. or, schwedisch ör", setzt aber hinzu: "Gehört das d in ord ursprünglich zu dem worte?"

Diese Deutung übernahm Steigerwald, Pattensen S. 129. Udolph, -ithi, S. 108 stellt den Namen zu den zahlreichen -ithi-Bildungen Norddeutschlands und referiert Förstemanns Deutung, erwähnt aber auch die Etymologie von Petters, Kunde S. 472f., der in dem ON eine Dialektform der Baumbezeichnung Ahorn ("Acer pseudoplatanus") sieht. Dem ist Möller, Dentalsuffixe S. 84 - ohne es zu erwähnen - gefolgt: "Unsicher; aber wohl eine -ithi-Ableitung, wie das benachbarte Hüpede.

Der Ort liegt an einem kleinen Zufluß in den Hüpeder Bach ... Wahrscheinlich liegt germ. *ahurna, auch *ahura, ablautend *ahira ‘Ahorn’ zugrunde".

 

Eigene Deutung der Autoren

Keiner der bisherigen Vorschläge überzeugt. Der Zusammenhang mit or, oert "(rötlicher) Sandstein" bleibt unsicher. Zwar findet sich im DWB Bd. 24 Sp. 2354f. der Eintrag: "ur, m., ferrum caespitosum, mit zahlreichen bezeichnungen wie raseneisenstein, eisensandstein, brauneisenstein, ohrsand, ortstein, lesestein, fuchserde, wiesen-, sumpf-, morast-, see-, quellerz, limonit; nd. uur, ôr [...] nl. oer; engl. ore ... wort und sache fehlen im gebiet des oberdeutschen ...", der für einen Zusammenhang mit dem ON sprechen könnte.

Auch norddt. Mundarten kennen das Wort, so etwa aus Lüneburg: "ûr-îr, Ort-erde, Brandfuchs, eine rötlichbraune Erde. Name einer nicht selten vorkommenden unfruchtbaren und die Bebauung erschwerenden Erdschicht unter der Oberfläche des Geestbodens ... Die Ort-erde ... ist die lockere Abart des ... festen Ort-steins ... Dieser heißt weithin im Lüneburgischen @ rt-stäin ..." (Lüneburger Wörterbuch III S. 543). Allerdings fehlt es in älterer Zeit, weder im Mnd. noch im Asä. ist es bezeugt.

Außerdem zeigen die verwandten germ. Sprachen - im Zusammenhang mit dt. Ort-stein -, daß das Wort ursprünglich ein -d oder -t im Auslaut besessen hat, vgl. anord. urð "Steinboden, Felsgeröll", neuisländ., färö. urð, neunorw. urd, ur, auf Shetland heißt es urd (de Vries, Altnord. Wörterbuch S. 635). Wenn dieses Wort in unserem ON verborgen wäre, hätte in den alten Belegen auch ein -t oder -d auftauchen müssen. Auch die Deutung mit Hilfe des Ahorn-Wortes ist eine Verlegenheitslösung und abzulehnen. So früh ist von diesem Baumnamen keine ur- oder -or-Form bezeugt; noch mnd. heißt es = h@ rn. Die Deutung muß von einer Grundform *Or-ithi ausgehen, wobei der anlautende Vokal O- sekundär entstanden sein muß: zugrunde liegt entweder ein Ansatz *Ur-ithi oder westgerm. *Aur-ithi.

Die besten Anschlüsse bietet die zweite Möglichkeit. Die nordgerm. Sprachen kennen ein Wort, das hier herangezogen werden kann. Es handelt sich um anord. aurr "sandiger Boden", "Kies, mit Stein untermischter Sand", neunorw. aur, aurr, ør "Bodensatz, Hefe, sandiger Grund, grober Sand; Boden, Erde, Kieserde, harte Erde; Gemisch aus Kies und Sand; Delta, Sandbank". Im Schwedischen und auf Gotland ist es auch heute noch weit verbreitet: ör, aur bedeutet "Schotter, Sandbank aus Schotter, Sandbank, Insel", "Kies, Steingrund", auch "niedriger Felsen im Meere". Nach Hellquist, Svensk etymol. Ordbok 2 S. 1462 und anderen ist das Wort auch in vielen ON enthalten, so in Ör, Öra, Örby, Örebro, Öregund und in dem bekannten Öresund. Im Dänischen ist es nicht so verbreitet, aber in ON findet es sich auch hier: Korsør, Skelskør und in dem bekannten Helsingør. Der ON Oerie wäre demnach als *Aur-ithi zu interpretieren und als "Sandort, Kiesort" zu verstehen.

Dazu paßt die Lage des Ortes, in dessen unmittelbarer Nähe Ablagerungen von Flugsand die Landschaft geprägt haben. Zu beachten ist aber, daß das zugrundeliegende germ. Wort zur Zeit der Namengebung den hiesigen Bevölkerung noch bekannt gewesen sein muß. Unnötig und verfehlt ist die Annahme, daß aus dem Norden vordringende germ. Stämme den Namen gegeben hätten.